Projekt Schäfflergarten

Viele Jahrzehnte lang gab es keine Probleme mit der Besorgung von Eibendaxen für die Schäfflerbögen. Ob sie aus dem Wald geholt wurden bzw. geholt werden durften, ist nicht mehr nachvollziehbar. Wahrscheinlich musste man, als die Naturschutzbedingungen immer strenger wurden, mehr und mehr auf „Garteneiben“ ausweichen, die man großzügigerweise beschneiden durfte.
Um eine langfristige Versorgung der Partenkirchner Schäffler mit Eibendaxen zu sichern, kam Schäfflervorstand Anton Buchwieser die Idee, eine Eibenpflanzung anzulegen, was natürlich vieler Absprachen und enger Zusammenarbeit mit den Forstbehörden bedurfte. Buchwieser’s Vorschlag, miteinander ein „Projekt“ zu starten, fand beim Partenkirchner Revierförster Wolfgang Striegel rasch guten Anklang. Und so war man sich bald einig, dass man das Projekt „Schäfflergarten“ in Angriff nehmen wollte. Notwendige Zusagen der Forstbehörde Oberammergau wurden eingeholt, die Möglichkeit der Besorgung der notwendigen Pflänzchen wurde bejaht, die Finanzierung wurde abgesprochen und der Schäfflertanzverein sagte zu, die notwendigen Arbeitskräfte für Bepflanzung und Pflege des „Schäfflergartens“ zu stellen.
Um das Projekt der Bevölkerung vorzustellen zu können, stellte man sich zu einer „Testpflanzung“ am Wankhang zusammen. Die Eibenpflanzung soll dann im Frühjahr 2019 angelegt werden, mit Info-Tafeln, nahe einem Wanderweg.

Tradition und Nachhaltigkeit

Ein gemeinsames Ziel schafft Allianzen. Das gilt in der Politik ebenso wie im täglichen Leben. Anlässlich eines Projekts in Partenkirchen hat sich nun eine nicht alltägliche Koalition zusammengefunden: Die Mitglieder des alle sieben Jahre stattfindenden Schäfflertanzes und der Forstbetrieb Oberammergau der Bayerischen Staatsforsten. Was die beiden eint? Die Sorge um eine besondere, heimische Baumart: Die Eibe.

Traditionell werden die Bögen mit denen die Partenkirchner Schäffler ihren althergebrachten Tanz aufführen aus dem Reisig (Daxn) der Eibe gebunden. Bereits in der Römerzeit wurden ihr als „Baum des Todes“ besondere Kräfte zugesprochen und auch bei den Kelten genoss der „Druidenbaum“ hohes Ansehen. Die Versorgungslage mit den Eibendaxen gestaltet sich jedoch immer wieder schwierig, da der im Wald selten gewordene Baum unter Naturschutz steht und damit eine Entnahme von Ästen in der freien Natur untersagt ist. Aus diesem Grund kam bei den Schäfflern der Gedanke auf, einen kleinen Eibenbestand am Fuße des Wanks zu begründen. Aus diesem könnten die nachfolgenden Generationen, bei Versorgungsengpässen aus Gärten und Grünanlagen, das Material für die
Schäfflerbögen gewinnen.

Diese Idee stieß beim zuständigen Revierförster von Partenkirchen, Wolfgang Striegel, sofort auf offene Ohren. Kein Wunder, entspricht diese Vorgehensweise doch auch genau dem Grundsatz der Bayerischen Forstwirtschaft, der nachhaltigen Nutzung.

Striegel: „Die Eibe ist eine faszinierende Baumart, die jedoch mit der Zeit an praktischer Bedeutung für den Menschen immer mehr verloren hat. Aus verschiedenen Gründen, angefangen von der Übernutzung der Eiben zum Bau von Langbögen im Mittelalter, Änderungen in der Forstwirtschaft und selektiven Wildverbiss ist die Anzahl an Eiben in Europa stark zurückgegangen. Im Werdenfelser Land gibt es glücklicherweise an entlegenen Standorten noch einige Einzelexemplare. Ergänzend zu dem Schutz der vorhandenen Bäume, bietet die Pflanzung eines kleinen Eibenbestands eine weitere Möglichkeit, den Fortbestand dieser Baumart in unseren Wäldern zu sichern.“

Bei den kleinen Pflanzen handelt es sich um Eiben, deren Samen aus dem Paterzeller Eibenwald bei Weilheim gewonnen wurden, einem der letzten natürlichen Eibenwälder Mitteleuropas. So dient die Pflanzaktion auch dauerhaft dem Erhalt der Genressourcen. Im kommenden Frühjahr soll mit der Begründung des „Schäfflergartens“ begonnen werden. Wann die erste „Ernte“ der Daxen möglich wird, bleibt noch unklar. „Die Eibe wächst sehr langsam, von daher darf man hier keine allzu großen Erwartungen haben. Dafür kann sie angeblich weit über 2000 Jahre alt werden und ist sehr widerstandsfähig gegenüber Schadorganismen und äußeren Umwelteinflüssen“ so Striegel. Natürlich bedarf es dann bei der zukünftigen Entnahme von Ästen einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung. Dass die Eiben daran Schaden nehmen könnten, ist unwahrscheinlich. Zeigt uns doch auch jede profane Garteneibe wie gut sie die oft jährlichen Rückschnitte wegsteckt.

Das Projekt „Schäfflergarten“ zeigt wie gut sich Tradition und Brauchtum mit Naturschutz und Nachhaltigkeit kombinieren lassen. Dies gelingt natürlich nur, wenn jede Partei die Interessen des anderen ernst nimmt, um dann gemeinsam eine bestmögliche Lösung zu erzielen.